"Ich bin"

 

Für Jugendliche ist es cool von sich selbst Fotos zu machen. Allgemein „Selfies“ genannt.
Sie wollen Posen und sich in Szene setzen. Immer ein neues Bild von sich inszenieren. In dem Zyklus „ Ich bin“ wird das thematisiert. Dreimal die gleiche
Person ist zu sehen. Dargestellt wird das Porträt einer jungen Frau durch ungefestigtem Laserdruck auf Keramik. Vorgelagert ist eine Cyanotypie beschichtete Glasscheibe. Obwohl das Foto immer gleich ist erscheinen durch die amorphen Strukturen der Scheibe die Gesichtszüge immer wieder anders.Der Ausdruck ändert sich. Mal scheint sie zu lächeln, mal ist sie traurig und mal scheint sie zu explodieren.Analog dazu scheinen auch im menschlichen Bereich soziale Glasscheiben zu existieren. Bei einem Vorstellungsgespräch werden wir ein anderes Bild von uns geben wie am Abend beim geselligen Zusammensein mit Freunden. Für jede Gelegenheit das passende Gesicht. Dafür haben wir viele Gründe. Wir wollen uns schützen, wir wollen mehr sein als wir sind, wir wollen nicht auffallen und ein Bild nach außen zeigen das wir gerne von uns hätten. Aber wer sieht unser wahres Ich (gibt es das überhaupt)
Bleibt die Frage: Wer bin ich wirklich. Kann ich so sein wie ich bin ohne mich mit anderen zu vergleichen ineiner Gesellschaft die immer angepasstere und gleichförmigere Menschen entstehen lässt.

 

 

 

 

"Sein oder nicht Sein………???"

 

Die Installation arbeitet mit den Gegensätzen von Organisch und Anorganisch. Die Röhren stehen für die Eingriffe des Menschen in die natürlichen Kreisläufe der Natur. Die Urne steht für den Preis den wir dafür zahlen. Artensterben, Zerstörung unserer natürlichen Lebensräume, auf Produktion und besondere Merkmale gezüchtete degenerierte Lebewesen. (der Inhalt der Urne sind Wirbelknochen vom Schwein.) Auf uns Menschen bezogen stellen die Objekte die künstlichen Möglichkeiten dar, um Krankheiten und körperlichen Defekten zu begegnen. Neben dem Segen dieser Hilfsmittel werden sie zum Fluch, wenn Jugendwahn und der Wunsch nach Unsterblichkeit die Motivation für die Eingriffe sind. Der Tod wird negiert und bis zum letzten hinausgeschoben. Unausweichlich steht er unsichtbar über unserem Leben mit dem Gesetz des Werdens und Vergehens.

 

Kurztext:

Im anthropologischen Zeitalter ist alle machbare möglich und ist einem ökonomischen Zweck unterworfen. Die Ressourcen der Natur müssen sich dem unterordnen. Die Endlichkeit wird nur als leises Hintergrundgeräusch wahrgenommen.

 

 

Text : Joachim Henkel


 

 

 

 

 

Reproduktion 4.0-- Versuch 173

Im Jahre der Beständigkeit 634 nach Ford

 

In der globalisierten Welt braucht es Menschen die in großer Zahl reibungslos funktionieren. Sie sollen durch Massensuggestion motiviert immer mehr produzieren und konsumieren, dabei möglichstmit einem standardisiert Geschmack, um die Trends leicht vorauszusehen und beeinflussen zu können. Wobei sämtliche Aktivitäten wirtschaftlichen Zielen untergeordnet sind. Es braucht Menschen, die sich ohne Zwang reibungslos in die Gesellschaft einfügen. Es braucht Menschen die kein eigentliches Lebensziel haben außer Spaß zu haben, den Erwartungen zu entsprechen und zu funktionieren. Wenn alles standardisiert ist, dann ist das Ergebnis Konformität. Die Unterscheidung findet dann nur noch in der Farbe des Fußballklubs statt. Eine erweiterte Optimierung der Konformität ist die künstliche Befruchtung und die genetische Anpassung des Menschen an die wirtschaftlichen Bedürfnisse. In solch einer formierten Gesellschaft gibt es kein Elend und keine Krankheiten. Alle haben am Luxus teil und eine Garantie auf das genormte Glück. Humanität und Freiheit bleiben auf der Strecke jede Art von Individualismus wird als asozial betrachtet. Nach Aldous Huxley in „Schöne neue Welt“ 1932. Der moderne Mensch ist gut genährt, gut gekleidet und sexuell befriedigt aber ohne Selbst. Er steht in einem höchst oberflächlichen Kontakt zu seinen Mitmenschen und die Umwelt existiert nur noch zur Befriedigung seiner Bedürfnisse.

 

Text: Joachim Henkel

mit Auszügen aus „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm